Betriebsratswahlen

Betriebsratswahlen bei STERNAUTO: Die Veränderungen aktiv gestalten

27.02.2026 | Für die rund 300 Beschäftigten bei STERNAUTO in Dresden hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Durch gelebte Mitbestimmung und einen guten Betriebsrat aus den Konzernzeiten wird in oft zähen Verhandlungen dafür gesorgt, dass die Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden. Hans-Ulrich Kunz, langjähriger Betriebsratsvorsitzender berichtet im Interview.

Renee Klaus, Anna Walther und Hans-Ulrich Kunz: Mitglieder des Betriebsrates STERNAUTO Center Dresden - Foto: Privat

Beschreibst Du uns bitte zu Beginn, wie viele Kolleginnen und Kollegen bei STERNAUTO arbeiten? Was genau macht ihr?

Bei uns in Dresden arbeiten rund 300 Beschäftigte. Wir sind im Daimler-Konzern groß geworden, also heute Mercedes-Benz. Und 2016 sind wir an die chinesische Autohandelsgruppe Lei Shing Hong (LSH) verkauft worden. Insgesamt arbeiten rund 1.500 Beschäftigte in unserer Gruppe und haben einen Gesamtbetriebsrat. Wir sind verteilt von Rostock bis Erfurt.

Ihr habt in den letzten Jahren einige Veränderungen bewältigt... 

2015 ging der Übergang los. Es wurden zunächst zwei Unternehmensteile verschmolzen. Letztes Jahr dann wurden wir mit drei weiteren Tochterunternehmen (Potsdam, Erfurt, Ludwigsfelde) verschmolzen.

Was hat sich für euch verändert durch die Übernahme der chinesischen Autohandelsgruppe Lei Shing Hong (LSH)?

Gefühlt hat sich wenig verändert. Aber juristisch sind wir jetzt ein Vertreter, der im Agenturmodell Autos verkauft und wir haben auch eine weitere chinesische Automarke im Angebot.

Wann wählt ihr?

Wir wählen am 10. und 11. März an vier Betriebsteilen in Dresden ein 9-er Gremium. Wir treten in einer Persönlichkeitswahl mit 22 Kandidierenden an. Das ist eine hohe Beteiligung und eine Wertschätzung für uns als Betriebsrat. Den Kolleginnen und Kollegen ist es wichtig, dass wir einen Betriebsrat haben und sie machen auch gerne mit.

Letztes Jahr wurde die Angleichung der Entgelttabellen an den Standorten vereinbart. Waren es schwierige Verhandlungen?

Wichtig ist: Ein Betriebsrat ist kein Sozialpartner in der Tarifverhandlung. Aber natürlich sind wir Betriebsräte Teil der Tarifkommission und somit in die Verhandlungen aktiv einbezogen. Wir sind als Unternehmen über mehrere Bundesländer verteilt. Und wir mussten sehr unterschiedliche tarifliche Strukturen beachten und zusammenbringen. Ludwigsfelde war beispielsweise noch ohne Tarifbindung. Potsdam beispielsweise hatte einen Haustarifvertrag, der deutlich von der Fläche abwich. Bei diesen verschiedenen Niveaus zu vereinheitlichen, hat uns drei Jahre beschäftigt. Das war eine komplexe Verhandlung.

Beispielsweise haben wir drei verschiedene Vergütungssysteme. All das musste beachtet werden.

Jetzt kommen alle anderen Regelungen dran: für die Auszubildenden, Themen, die im Mantel-Tarifvertrag geregelt werden. Wie läuft es?

Wir müssen den Mantel neu verhandeln, weil wir zusammengeführt wurden. Kurz vor dem Verschmelzungstag wurde uns mitgeteilt, dass der Haustarifvertrag in Potsdam die Wirkung auf alle Unternehmensteile erstrecken sollte. Die Bedingungen in der Fläche waren deutlich besser. Hier gab es eine Lücke im Tarifvertragsrecht.

Nachdem der Arbeitgeber verstanden hat, dass damit sehr viel Unruhe entsteht, hat er der IG Metall zugesagt, den Manteltarifvertrag für alle Betriebsteile der STERNAUTO neu zu verhandeln. Inzwischen dauern die Verhandlungen ein Dreivierteljahr. Derzeit sind die Verhandlungen ohne neuen Termin unterbrochen. Wir sind in der Friedenspflicht und machen Foto-Aktionen und mehr. Die Verhandlungsverpflichtung läuft noch bis Juni 2026.

Wichtig ist, dass wir keine deutlichen Verschlechterungen hinnehmen wollen. Auch das Thema Altersteilzeit hat bei uns eine enorme Bedeutung, da wir viele ältere Kolleginnen und Kollegen haben. Unter anderem wollen wir im Tarifvertrag auch einen Mitgliederbonus verankern.

Tarifverträge verhandelt die IG Metall. Wie würdest Du die Zusammenarbeit beschreiben?

Wir haben mit Jens Kiehle, der auch Unternehmens/Konzernbetreuer ist, einen sehr guten Ansprechpartner. Er kümmert sich und ist sehr engagiert. Er nimmt an allen Sitzungen teil. Auch die Zusammenarbeit mit dem Vorstand in Frankfurt ist sehr gut.

Welche Themen bewegt ihr als Betriebsratsteam?

Da wir aus dem Daimler-Konzern hervorgegangen sind und die Betriebsratsarbeit zur Kultur des Unternehmens gehörte, haben wir sehr viel geregelt. Wir haben rund 300 Betriebsvereinbarungen. Als Betriebsratsteam kümmern wir uns vor allem um die Einhaltung der Regelungen und deren Modernisierung. Beispielsweise Hinweisgeberschutz, Arbeitszeitregelungen, Einführung von KI sind auf unserer Agenda.

Wenn der Arbeitgeber versucht, die Regelungen zu umgehen, sind wir zur Stelle. Wir sind in vielen Arbeitskommissionen im Gesamtbetriebsrat wie bei KI, Provisionen, Entgeltstrukturen, Arbeits- und Umweltschutz vertreten und haben ein hohes Fachwissen.

Was ist der Vorteil eines Betriebsrates im Unternehmen?

Ein Betriebsratsgremium kann deutlich mehr durchsetzen als der einzelne Beschäftigte. Mitbestimmung im Unternehmen bringt viele Vorteile für die Belegschaft und die Arbeit des Betriebsrats wird mit guten gesetzlichen Grundlagen abgesichert.

 

Ulli, Du bist auch Vize-Präsident der Handwerkskammer Dresden. Was machst Du als Vize-Präsident?

Das Präsidium wird alle fünf Jahre gewählt. Wir haben eine Drittel-Parität: ein Drittel Arbeitnehmer und zwei Drittel Arbeitgeber. Als Vize-Präsident spreche ich für die Arbeitnehmer und bringe ihre Sicht und Themen ein. Als Repräsentant darf ich hier sehr viele interessante Termine in Handwerksbetrieben im Kammerbezirk übernehmen.

Hintergrund:

Die STERNAUTO Gruppe ist eine führende deutsche Handelsgruppe für Mercedes-Benz und andere Marken, die aus der Zusammenführung mehrerer Autohäuser entstanden ist und zur internationalen LSH Auto Holding (Hong Kong) gehört. Sie fungiert als großer Vertriebspartner, der sich auf den Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen sowie Serviceleistungen spezialisiert hat.

Mit rund 1.500 Beschäftigten konzentriert sich das Unternehmen auf den Vertrieb, Service und die Vermietung in sechs deutschen Bundesländern. In Dresden arbeiten 300 Beschäftigte an vier Standorten.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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