11.03.2026 | Yanice Thinius arbeitet als Instandhalter bei Infineon in Dresden und kandidiert erstmals für den Betriebsrat. Der 27‑Jährige ist seit seiner Ausbildung gewerkschaftlich aktiv – zuerst in der JAV, später im Ortsjugendausschuss der IG Metall. Für die Betriebsratswahl Anfang März bringt er klare Vorstellungen mit: mehr Mitbestimmung für junge Beschäftigte, bessere Ausbildungsstrukturen und einen verantwortungsvollen Umgang mit KI im Betrieb.
Wer bist du und wo arbeitest du?
Yanice: Ich bin Yanice, 27 Jahre, und habe im Jahr 2021 eine Ausbildung zum Mechatroniker angefangen und bin mittlerweile seit zweieinhalb Jahren fertig. Ich arbeite jetzt als Instandhalter im normalen Schichtbetrieb. Bereits während meiner Ausbildung hat meine „Mitbestimmungsgeschichte“ angefangen. Da war ich in meiner Ausbildungsgruppe sowieso schon quasi der „Sprecher“. Dann war es naheliegend, dass ich mich für die JAV aufstellen lasse. Ich bin als Nachrücker in das Gremium gekommen.
Ich habe dann gesehen, dass die JAV mehr Sichtbarkeit bei den Azubis braucht. Als unsere Ausbildungsjahrgänge immer größer wurden, konnten wir JAV‑Versammlungen vor gut 300 Azubis halten – das war schon ein Statement.
Irgendwann bin ich dann automatisch bei der IG Metall-Jugend gelandet. Jetzt bin ich die zweite Amtsperiode im OJA-Leitungsteam und gestalte den Ausschuss in Dresden aktiv mit.
Wie läuft die Betriebsratswahl bei euch?
Yanice: Wir haben eine Listenwahl mit insgesamt drei Listen. Ich befinde mich auf der Wahlliste auf Position 13. Dieses Jahr wählen wir 27 Betriebsräte. Die Chancen sind also gut, vielleicht nicht direkt im ersten Durchgang, aber sicher als Nachrücker reinzukommen.
Was motiviert dich, für den Betriebsrat zu kandidieren?
Yanice: Zum einen will ich den Altersdurchschnitt wieder senken. Bei uns sind viele Betriebsräte im Schnitt eher älter, da geht manchmal der Blick auf Themen verloren, die junge Kolleginnen und Kollegen beschäftigen.
Zweitens war das JAV-Thema bei mir, nachdem es richtig losging, ziemlich schnell vorbei. Ich möchte wieder stärker betriebspolitisch mitgestalten.
Welche Themen stehen bei euch im Wahlprogramm vorn?
Yanice: Die zwei größten Themen sind Arbeitszeit und Vergütung – vor allem Zuschläge für Nachtschichtarbeit und Fragen zu Wechselschichtmodellen, etwa Richtung Altersteilzeit. Viele können oder wollen nicht mehr jede Nachtschicht arbeiten. Das ist absolut nachvollziehbar. Das zweite Thema ist KI. KI hält bei uns Einzug, und wir wollen, dass sie als Tool genutzt wird – aber nicht als Legitimierung dafür, Arbeitsstrukturen zu verdichten oder das Pensum zu erhöhen.
Was beschäftigt die jungen Beschäftigten und Azubis gerade am stärksten?
Yanice: Ein großes Thema ist die Struktur der Ausbildung. In der Theorie läuft viel gut, aber praktisch werden die Azubis oft einfach „in die Schicht geschmissen”. Wir haben in unserer Schicht schon einen festen Kollegen, der sich nur um die Ausbildungsinhalte und die Unterlagen kümmert. Das funktioniert gut, aber das gibt es nicht überall.
Und wir sehen, dass wir perspektivisch nicht mehr einen Azubi pro Schicht haben, sondern zwei, drei, vier oder fünf. Eine Person kann das neben dem normalen Pensum nicht mehr schaffen. Das müssen wir dringend auf dem Schirm haben.
Ist Dir noch etwas besonders wichtig?
Yanice: Ja, an alle Kolleginnen und Kollegen will ich sagen: Nehmt an der Betriebsratswahl teil, geht wählen! Nur so funktioniert Mitbestimmung. Es bringt nichts, nur auf das Ergebnis zu warten und sich dann darüber aufzuregen. Man kann sich übers Ergebnis nur dann aufregen, wenn man aktiv mitgewirkt hat.
Hintergrund:
Infineon Technologies Dresden ist einer der größten Halbleiterstandorte Europas. Rund 4000 Beschäftigte entwickeln und produzieren hier Mikroelektronik für Anwendungen in Industrie, Mobilität und Energie. Der Standort wächst stark: Mit einem großen Ausbauprojekt soll die Produktionsfläche verdoppelt werden – gleichzeitig stehen Fragen der Personalentwicklung, Arbeitszeit und Belastung zunehmend im Fokus der Belegschaft.
Das Interview führte Moritz Riesinger.