Betriebsratswahlen

Koenig & Bauer: Betriebsratsarbeit ist keine Einzel- sondern eine Teamleistung

04.03.2026 | Bei Koenig & Bauer in Radebeul arbeiten rund 1800 Beschäftigte an der Entwicklung und Herstellung von Druckmaschinen und Maschinen zur Weiterverarbeitung von Druckprodukten. Bei dem Maschinenbauer wird seit 2023 schrittweise die 35-Stundenwoche eingeführt. Die Betriebsratswahlen werden derzeit gemeinsam mit den Vertrauensleuten vorbereitet. Ein Interview mit Daniel Pfeifer, Betriebsratsvorsitzender bei Koenig & Bauer.

Aktion bei Koenig & Bauer in der Tarifrunde 2023 - Foto: IG Metall

Daniel Pfeifer, Betriebsratsvorsitzender bei Koenig & Bauer - Foto: Privat

Daniel, wie ist die Lage bei euch vor den Betriebsratswahlen? Welche Themen werden diskutiert?

Wie derzeit auch in vielen Maschinenbauunternehmen in Deutschland ist auch unsere Lage durch Unterschiede der monatlichen Auftragseingänge sowie schon länger durch die unruhigen geopolitischen Rahmenbedingungen geprägt. Die Nutzung von Arbeitszeitkonten und beispielsweise die Umwandlung des tariflichen Zusatzgeldes (T-Zug) helfen, auch solche Phasen gut zu meistern. Wir als Betriebsräte sind dort in engem Austausch mit den Geschäftsleitungen und fordern immer wieder Transparenz der wirtschaftlichen Lage gegenüber unserer Belegschaft ein.

Gibt es weitere Themen, die euch beschäftigen?

Derzeit bearbeiten wir auch das Thema Datenschutz und Digitalisierung. Daran arbeiten wir schon seit längerem. Dazu haben wir uns schulen lassen und haben einen speziellen Ausschuss, in dem gut geschulte Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Über die IG Metall haben wir dabei auch eine gute Unterstützung.

Ihr habt einen aktiven Betriebsrat und eine gute Vertrauensleute-Struktur. Wie bereitet ihr die Betriebsratswahlen vor?

Wir machen Aushänge in den Abteilungen, führen persönliche Gespräche, verteilen Flyer und wir nutzen die Vertrauensleute-Struktur. Bei der Betriebsratswahl arbeiten wir Hand in Hand mit den Vertrauensleuten. Die Vertrauensleute bestimmen die Reihenfolge auf der Wahlliste. Die Kandidierenden stellen sich alle den Vertrauensleuten vor. Wir machen die betriebliche Demokratie erlebbar. Und wir sind alle Mitglied in der IG Metall.

Wann wählt ihr? Wie viele Kolleginnen und Kollegen kandidieren?

Wir haben ein 17-er Gremium hier in Radebeul und wählen am 14. April. Wir sammeln derzeit noch Kandidierende. Wir stellen gerade fest, dass es dieses Jahr schleppender läuft. Das können wir positiv sehen: Die Kolleginnen und Kollegen sind zufrieden mit unserer Arbeit als Betriebsratsteam. Bisher haben wir rund 25 Kandidierende und machen voraussichtlich eine Persönlichkeitswahl. Im Betriebsrat sind viele Bereiche und Gesellschaften vertreten, so dass wir gut aufgestellt und informiert sind.

Wie steht es um die Motivation?

Bei uns hat die Betriebsratswahl eine gute Tradition. Wir haben dieses Jahr ein Super-Wahljahr, da wir für außer der Betriebsratswahl noch den Aufsichtsrat, die Jugendvertretung und die Schwerbehindertenvertretung wählen. Das gibt es so nur alle 20 Jahre.

Die 35-Stundenwoche wird bei euch seit 2022 eingeführt. Wo steht ihr?

2023 wurde bei uns das erste Mal eine halbe Stunde abgesenkt. Wir stehen jetzt bei 36,75 Stunden in der Woche. Wir sind der erste Maschinenbau-Betrieb im Osten, der diesen Weg einschlagen konnte. Das hat enorme Kraft gekostet, denn wir haben für das Thema stark mobilisiert. Der damalige Vorstand war gesprächsbereit bei dem Thema 35-Stundenwoche. Der Arbeitgeberverband war nicht begeistert. Wir haben die lange Einführungszeit als Kompensation genutzt, so dass kein Beschäftigter etwas vom Entgelt abgeben musste. Die 35-Stundenwoche ist in Sicht.

Was macht in deinen Augen gute Betriebsratsarbeit aus?

Ein Betriebsratsteam muss nahe an den Menschen vor Ort sein, zuhören und Feedback geben. Wenn Fragen gestellt werden, dann werden von uns als Betriebsrat schnell Lösungen gesucht. Und wir versuchen, dann schnell eine Rückmeldung zu geben. Oft vermitteln wir zwischen Arbeitgeber und den Beschäftigten.

Wie lange bist Du Betriebsrat? Macht Betriebsrat Spaß?

Ich bin seit 2006 Betriebsrat und immer noch begeistert. Als Betriebsrat gestalten wir mit und tun etwas für die Belegschaft. Manchmal müssen auch Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber stattfinden, um bessere Arbeitsbedingungen für alle zu gestalten.

Mir ist wichtig, dass es Spaß macht, als Betriebsratsteam gemeinsam zu arbeiten. Wir haben Klausuren und Weihnachtsfeiern zusammen. Es ist keine Einzelleistung, sondern gute Betriebsratsarbeit ist eine Team-Leistung. Wir geben als Freigestellte manchmal Impulse und sitzen in den Verhandlungen, aber das gesamte Team entscheidet.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der IG Metall?

Die Zusammenarbeit mit der IG Metall ist sehr gut. Mit Kaffee & Klartext haben wir gerade eine neue Reihe im Betrieb vor Ort eingeführt. Alle zwei Wochen sind Steven Kempe und einige Kolleginnen und Kollegen in den Werkhallen, auf dem Gelände oder im Bürohaus ansprechbar als IG Metall. Gemeinsam mit den Vertrauensleuten stehen wir für Fragen der Beschäftigten zur Verfügung zum Beispiel zu den Aufsichtsrats- und Betriebsratswahlen.

Gibt es noch ein Thema, das wichtig ist?

Wir haben eine große Jugend- und Auszubildendenvertretung mit sieben jungen Kolleginnen und Kollegen. Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat läuft sehr gut und wir freuen uns, dass auch viele ehemalige Jugendvertreter/-innen inzwischen Mitglied im Betriebsrat sind.

Hintergrund:

Der größte Produktionsstandort von Koenig & Bauer liegt in Radebeul. Hier ist unter anderem die Koenig & Bauer Sheetfed beheimatet, die für Entwicklung und Herstellung u.a. der Bogenoffsetdruckmaschinen zuständig ist. In Radebeul sind insgesamt vier Gesellschaften des Konzerns ansässig. Der Betriebsrat ist für alle Gesellschaften mit rund 1800 Beschäftigten zuständig. Dazu gehören auch Koenig & Bauer AG, Koenig & Bauer (DE) GmbH und die Koenig & Bauer Industrial GmbH.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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