Betriebsratswahlen

Mehrheit für die IG Metall im Betriebsrat des Mannesmannröhren-Werkes in Zeithain

20.03.2026 | Am 5. März haben die rund 320 Beschäftigten im Mannesmannröhren-Werk in Zeithain ihren Betriebsrat gewählt. Über Betriebsratsarbeit, Erfolge der letzten Jahre und die Herausforderungen einer Listenwahl berichteten Ralf Herrmann, Betriebsratsvorsitzender im Mannesmannröhren-Werk Zeithain, Mitglied in der Delegiertenversammlung der IG Metall Riesa, und Dennie Pannier, Zweiter ehrenamtlicher Bevollmächtigter der IG Metall Riesa, VK-Leiter, Betriebsrat und Mitglied im Ortsvorstand der IG Metall Riesa. Beide sind Mitglied der Tarifkommission Stahl Ost.

Ralf Herrmann, Betriebsratsvorsitzender im Mannesmannröhren-Werk Zeithain und Dennie Pannier, Betriebsrat und Vertrauenskörper-Leiter - Foto: IG Metall

September 2023 - Aktion für den Brückenstrompreis - Foto: IG Metall

Ihr habt schon gewählt in eurem Werk. Wie ist es gelaufen?

Dennie: In den letzten Jahren hatten wir immer eine reine Persönlichkeitswahl. In diesem Jahr hat sich eine zweite Liste aufgestellt. Die Listenwahl war unseren Kolleginnen und Kollegen nicht vertraut. Daher mussten wir die Belegschaft darüber informieren. Es gab also nur eine Stimme für eine Liste. Wir stellen jetzt sechs von neun Mitgliedern aus unserer IG-Metall-Liste. Die Wahlbeteiligung war mit 74 Prozent gut. Natürlich hätten wir uns mehr Beteiligung gewünscht. Bei uns haben sich 19 Kandidierende für die Wahl zum Betriebsrat aufstellen lassen.

Wir haben dafür bereits im Sommer 2025 eine Beschäftigtenbefragung durchgeführt und unsere Kolleginnen und Kollegen gefragt, wen sie für geeignet halten, für den Betriebsrat zu kandidieren. Die genannten Personen haben wir dann gezielt angesprochen.

Am 17. März haben wir uns konstituiert. Ralf Herrmann ist wieder zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt worden und als Stellvertreter René Thiele.

Gibt es ein besonderes Thema bei euch im Betrieb?

Ralf: Die wirtschaftliche Lage in der Stahlbranche und die geopolitischen Herausforderungen führen auch bei uns im Werk zu Auftragsrückgängen und zu einem Sinken der Produktion. Das macht allen Sorgen. Wenn wir wieder voll ausgelastet wären, könnten wir auch wieder auskömmlich produzieren. Die Kolleginnen und Kollegen sind durch die Situation schon verunsichert.

Welche Erfolge habt ihr mit eurem Betriebsratsteam in den letzten Jahren erreicht?

Ralf: Betrieblich hat sich seit 2022 sehr viel verändert. Beispielsweise hatten wir das Thema Restrukturierungsprozess auf dem Tisch. Das hatte tiefe Einschnitte und massive strukturelle Änderungen für einige Abteilungen zur Folge. Durch den Übergang in die Altersteilzeit, Rente und die freiwillige Aufhebung von Arbeitsverhältnissen haben wir viele Kolleginnen und Kollegen verabschieden müssen. Arbeitsabläufe änderten und verdichteten sich an einigen Stellen sehr. In meinen 32 Jahren im Betrieb habe ich so etwas noch nicht erlebt. Es gab auch viele Wechsel in der Geschäftsführung. Als Betriebsratsteam haben wir jedoch verlässlich und konstant die Interessen der Belegschaft vertreten.

Wir haben bei vielen Themen wie die notwendige Einarbeitung bei der Versetzung auf neue Arbeitsplätze, Überprüfung des Arbeitsumfangs, beim Thema Rufbereitschaft, Prämienlohn und betriebliches Eingliederungsmanagement unsere Beteiligung eingefordert und erfolgreich umgesetzt.

Dennie: Das Thema Arbeitsschutz steht immer wieder auf der Agenda. Und auch das Thema betriebliches Vorschlagswesen haben wir wieder auf die Agenda gesetzt, genauso wie das Thema Qualifizierungszulagen. Auch Jubilarehrung und Krankenbetreuung haben wir beim Arbeitgeber wieder auf den Tisch gepackt. Zudem wurden notwendige Eingruppierungen und Umgruppierungen verschiedenster Arbeitsplätze beständig in der paritätischen Kommission bearbeitet. Insgesamt haben wir 2025 mehr als 1.200 Dokumente zu unterschiedlichen Themen bearbeitet.

Ralf: Wir waren auch aktiv in der Konzernbetriebsratsarbeit, im Austausch in der Arbeitsgemeinschaft Stahlverarbeitung, in der Zusammenarbeit mit dem Gesamtbetriebsrat und dem europäischen Betriebsrat. Das ist extrem wichtig, da hier viele Themen bewegt werden, die uns unmittelbar betreffen.

Wie startet ihr in die Betriebsratsarbeit? 

Ralf: Wir werden auch jetzt, in neuer Konstellation, als Betriebsratsteam eine aufrechte und wertschätzende Arbeit miteinander aufbauen. Die neuen Mitglieder im Betriebsrat sind gute, gestandene Kollegen. Wir werden bestimmt gut zusammenarbeiten, eine gute, konstruktive Zusammenarbeit anbieten und bestimmt auch gemeinsam erreichen.

Die neuen Betriebsratsmitglieder müssen jetzt auch beweisen, dass sie es können und dass sie es wollen. Dazu gehört viel Engagement, sich jetzt viele Grundlagen anzueignen.

Welches Wissen habt ihr euch als Betriebsräte besonders erarbeitet?

Dennie: Die auffrischenden Arbeitsrechtsseminare der IG Metall sind sehr wichtig, um die neuen Entwicklungen und Regelungen zu kennen. Aber genauso wichtig sind die wirtschaftlichen Kenntnisse, die wir brauchen, um auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung argumentieren und eben auch diskutieren zu können.

Wie würdet ihr gute Betriebsratsarbeit beschreiben? Was macht sie aus?

Dennie: Ich bin seit 1998 dabei. Erst als Jugendvertreter, später als Betriebsrat. Es geht immer darum, die Kollegen mitzunehmen und dass wir gemeinsam ein gutes Ergebnis für die Belegschaft erzielen. Es ist wichtig, gut über die Themen und Erfolge zu informieren, damit alle verstehen, wie Kompromisse zustande kommen.

Ralf: Charakterfest für Werte und Ideale einstehen, streitbar sein, Informationen bereitwillig auf verständliche Art mit anderen teilen und die Kollegen dadurch mitnehmen. Durch unser Auftreten und Handeln müssen wir den Kolleginnen und Kollegen das Gefühl der Sicherheit geben und sie motivieren, in schwierigen Situationen zusammenzuhalten. Und Betriebsratsarbeit macht Spaß! Wir können als Betriebsräte unsere Erfahrung in der Bewältigung von schwierigen Situationen direkt im Umgang mit vielen Menschen und zum Nutzen aller einbringen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der IG Metall?

Ralf: Es läuft gut. Wir sind ja auch beide aktive Mitglieder, da wir ehrenamtlich mitarbeiten und die Gewerkschaft prägen. Dadurch den Erhalt und die Zukunft der Montanmitbestimmung zu stärken, ist unser Anspruch.

Was ist euch noch wichtig?

Dennie: Mir ist es wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen IG Metall-Seminare besuchen, da wir uns dort sehr gut austauschen und vernetzen können.

Ralf: In unserem Betriebsrat, der immer aus IG Metall-Mitgliedern bestanden hat, sollten sich die neuen Mitglieder überlegen, auch Mitglied der IG Metall zu werden. Schließlich sind sie Interessensvertreter einer Belegschaft, die mehrheitlich in der IG Metall organisiert ist.

Hintergrund:

Im Mannesmannröhren-Werk in Zeithain fertigen 320 Beschäftigte mit langjähriger Expertise nahtlose, warmgefertigte Stahlrohre und adjustierte Rohre.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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