Betriebsratswahlen

Motiviert in die Betriebsratswahl mit neuen Kandidierenden bei TK Aufzüge in Dresden und Erfurt

23.02.2026 | Bei TK Aufzüge gibt es große Themen, die in der nächsten Legislatur gestemmt werden müssen. Ein Zukunftstarifvertrag steht an, denn ein Verkauf des Unternehmens ist wahrscheinlich. Nach einem Generationenwechsel treten 13 Kandidierende motiviert an, um betriebliche Themen zu bewegen. Ein Interview mit Jasmin Heßler, Betriebsratsvorsitzende bei TK Aufzüge in Dresden.

Aktion in Dresden im November 2023 - Foto: Norbert Neumann

Jasmin Heßler, Betriebsratsvorsitzende bei tk Aufzüge in Dresden und Erfurt - Foto: Privat

Erzählst Du uns bitte zu Beginn, was ihr bei TK Aufzüge macht?

Bei uns arbeiten 108 Beschäftigte. Wir haben neben den Niederlassungen Dresden und Erfurt auch noch die kleineren Stützpunkte Spremberg, Zwickau, Chemnitz, Jena und Gera in einem Betrieb zusammengefasst. Wir haben die Bereiche Modernisierung, Neuanlage und Service. Der Service macht den Hauptteil aus. Wir machen die Wartung, kleinere Reparaturen und auch den Notdienst, wenn die Aufzüge mal stecken bleiben sollten.

Wie ist die Stimmung vor den Betriebsratswahlen bei TK Aufzüge?

Wir haben ein spannendes Thema, denn wir wurden 2020 von einem Private Equity gekauft. Meist werden Unternehmen dann nach sechs bis sieben Jahren wieder verkauft. Das bewegt bei uns die Belegschaft, da der Zeitpunkt näherkommt und wir gemeinsam mit der IG Metall die ersten Schritte gemacht haben, um einen Zukunftstarifvertrag zu verhandeln. Es geht um die Beschäftigungssicherung und wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Offen ist, ob es einen Verkauf gibt, ob wir an die Börse gehen oder eventuell auch zerschlagen werden. Das ist in der Schwebe und der Eigentümer lässt sich nicht in die Karten schauen.

Wir hatten schon mal einen Zukunftstarifvertrag mit einer Best- und Fair-Owner-Vereinbarung. Wir möchten jetzt absichern, dass der Unternehmenssitz in Deutschland bleibt, dass die Beschäftigten mit dem Betriebsrat ihre Stimme geltend machen können und das auch die Aufsichtsratsstruktur erhalten bleibt. Das ist essenziell auch für die Mitbestimmungskultur, die wir im Unternehmen haben.

Gibt es schon lange einen Betriebsrat bei Euch?

Wir kommen von thyssenkrupp, einem großen Konzern, der geprägt ist von der Montanmitbestimmung. Daher haben wir schon immer eine starke Mitbestimmung gelebt. Das Unternehmen hat das auch zu thyssenkrupp-Zeiten gefördert. Das verändert sich gerade und wir erleben, dass die Mitbestimmung nicht mehr so gelebt wird. Daher ist das wichtig, dass wir etwas dafür tun. Die Belegschaft ist sehr interessiert an der Betriebsratswahl.

Wir sind breit aufgestellt und haben Mitglieder aus fast jedem Standort. Dadurch haben wir ein umfangreiches Wissen, was im Betrieb los ist. Wir hoffen, dass nach der Betriebsratswahl auch Kolleginnen und Kollegen aus Erfurt und den Stützpunkten dabei sind. Auf der Liste haben wir auch Kolleginnen und Kollegen aus Erfurt, die bei der Persönlichkeitswahl gewählt werden können.

War es schwer, Kandidierende für den Betriebsrat zu finden? Wann wählt ihr?

Bei uns haben sich diesmal mehr Leute aufstellen lassen. Wir wählen am 11. März und haben insgesamt 13 Kandidierende auf der Liste. Wir wählen ein 7er-Gremium. In dieser Legislatur sind viele ältere Kolleginnen und Kollegen im Gremium in Rente oder die Altersteilzeit gegangen. Dadurch gab es einen Generationenwechsel. Bei dem alten Betriebsrat waren die Kandidaten immer gesetzt nach dem Motto: Die werden das schon machen. Jetzt interessieren sich die Jüngeren dafür, mitzumachen. Wir haben keine Nachwuchsprobleme.

Hilft die Zusammenarbeit mit der IG Metall?

Ja, wir bekommen kurzfristig richtig gute Schulungsangebote. Wenn wir offen mit den Gewerkschaftssekretären kommunizieren und gut zusammenarbeiten, bekommen wir gute Unterstützung. Vor drei Wochen haben wir in Zusammenarbeit mit der IG Metall ein gutes Seminar gemacht, für alle, die sich für die Betriebsratsarbeit interessieren.

Welche Erfolge habt ihr in der letzten Legislatur als Betriebsrat erzielt?

Ein großer Erfolg war der Tarifvertrag Auswärtstätigkeiten. Die Techniker bekommen jetzt einen Auslösesatz, damit ist der Weg zur Arbeit und zurück abgedeckt. Denn wir müssen viel unterwegs sein. Der Tarifvertrag zur Auslöse wurde zuletzt in den 2000er Jahren geregelt. Dieser Tarifvertrag ist schon lange gekündigt. Jetzt haben wir neue Auslösesätze verhandelt, obwohl es anfangs keinen Weg dahin gab. Das war nicht leicht. Eigentlich wollten wir gemeinsam mit den anderen Aufzugsunternehmen daraufhin arbeiten. Letztlich waren wir dann aber in dieser Phase ziemlich alleine. Aber wir haben es trotzdem geschafft. Die anderen Unternehmen haben jetzt auch nachgezogen.

Und eine richtig große Herausforderung war die Einführung eines neuen Arbeitszeiterfassungssystems. Vorher haben einige Beschäftigungsgruppen ihre Arbeitszeiten auf Excel-Listen erfasst. Diese Stunden sollten mit der Einführung des neuen Systems einfach verpuffen. Der Arbeitgeber meinte, diese würden nicht existieren. Es ging um mehrere hundert Stunden. Wir haben erreicht, dass diese Stunden alle ausgezahlt wurden.

Welche Themen stehen auf der Agenda für die nächsten vier Jahre?

Wichtig ist die Arbeitszeitregelung, die wir neu vereinbaren müssen. Das ist gerade für den Innendienst wichtig. Dazu startem wir direkt nach der Betriebsratswahl mit den Verhandlungen. Eigentlich sollten die längst beginnen, aber aufgrund von Konflikten hat sich das nochmal geschoben. Und natürlich steht der Zukunftstarifvertrag auf unserer Agenda.

Arbeitet ihr auch auf Konzernebene zusammen?

Die meiste Arbeit findet im Gesamt- und Konzernbetriebsrat statt. Aber wir brauchen natürlich auch vor Ort gute Regelungen, die nicht über GBR oder KBR geregelt werden können. Hier wollen wir auch noch stärker werden.

Wie empfindest du die Betriebsratsarbeit? Warum würdest du Kollegen empfehlen, mitzumachen?

Ein Betriebsrat ist wichtig, weil wir gemeinsam Dinge angehen können und der Einzelne nicht für sich alleine kämpfen muss. Der Betriebsrat steht immer an der Seite der Beschäftigten, gibt guten Rat und unterstützt. Die Mitglieder im Betriebsrat kennen sich mit den Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen aus und können sich bei speziellen Themen einlesen und gut beraten.

Bei TK Aufzüge arbeiten 108 Beschäftigte in den Bereichen Modernisierung, Neuanlage und den Service in Dresden und Erfurt.

Das Interview führte Andrea Weingart

Von: aw

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