Betriebsratswahlen

Schmiedewerke Gröditz: Klarer Sieg und höhere Beteiligung bei der Betriebsratswahl

02.04.2026 | Die rund 750 Beschäftigten der Schmiedewerke Gröditz haben Anfang März ihren Betriebsrat gewählt. Erstmalig wurde eine Listenwahl durchgeführt. Mit einem guten Wahlkampf, zahlreichen Gesprächen und viel Information haben rund zehn Prozent mehr Beschäftigte an der Wahl teilgenommen und es ist uns gelungen, 12 der 13 Betriebsratsmandate mit Kandidatinnen und Kandidaten der IG Metall-Liste zu besetzen. Betriebsratsvorsitzender Jens Klemm, sein Stellvertreter Patrick Schenke und Vertrauenskörperleiter Mirko Bierbaum berichten.

Mirko Bierbaum, Vertrauenskörperleiter der Schmiedewerke Gröditz, Betriebsratsvorsitzender Jens Klemm und sein Stellvertreter Patrick Schenke - Foto: IG Metall

Bitte stellt Euch kurz vor: PP

Jens Klemm, seit 2008 im Betriebsrat, seit Juli 2024 Betriebsratsvorsitzender der Schmiedewerke Gröditz GmbH und stellvertretender Konzernbetriebsratsvorsitzender. Desweiteren bin ich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Schmiedewerke Gröditz GmbH und Aufsichtsratsmitglied in der GMH Gruppe, ebenso Mitglied der Tarifkommission Stahl Ost und der Verhandlungskommission Stahl Ost.

Patrick Schenke, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender seit Juli 2024, Mitglied der Tarifkommission Stahl Ost und stellvertretender Vertrauenskörperleiter am Standort. Seit 2010 bin ich im Betriebsrat.

Mirko Bierbaum, seit zwölf Jahren Betriebsratsmitglied, Vertrauenskörperleiter, Mitglied der Tarifkommission Stahl Ost und Mitglied im Ortsvorstand der IG Metall Riesa.

Kurze Beschreibung eures Betriebes: Was macht ihr?

Jens: Als führender Hersteller von Freiformschmiedestücken, Werkzeugstahl und nahtlos gewalzten Ringen beliefert unser Werk weltweit zahlreiche Branchen, darunter den Energiemaschinenbau, die Bahntechnik, den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Werkzeug- und Formenbau.

Das angegliederte Elektrostahlwerk arbeitet mit einem modernen Elektrolichtbogenofen, in dem recycelter Schrott zu hochwertigem Stahl erschmolzen wird – dies ist ein wichtiger Beitrag zu nachhaltiger Stahlproduktion.

Mit unseren hochspezialisierten Schmiedepressen, Ringwalzanlagen und umfangreichen Wärmebehandlungskapazitäten zählt unser Unternehmen zu den technologisch führenden Herstellern im Bereich schwerer Schmiedeerzeugnisse.

Ihr habt vom 9. bis 11. März gewählt. Gab es im Vorfeld eine Besonderheit?

Jens: Wir haben zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung eine Listenwahl am Standort gehabt, was für uns eine Herausforderung war. So mussten wir uns zum Beispiel mit der neuen Situation vertraut machen, das haben der Wahlvorstand und alle Mitglieder unserer Liste sehr gut gemeistert.

Wie ist die Wahl ausgegangen?

Jens: Wir haben hier am Standort auf Grund der Beschäftigtenanzahl ein 13-er Gremium gewählt. Wir haben mit unserer Liste mit 12 von 13 Plätzen eine klare Mehrheit gewonnen. Die neue Liste hat einen Platz bekommen. 

Was war in euren Augen besonders erfolgreich an eurem Wahlkampf? Habt ihr etwas Neues ausprobiert?

Patrick: Eine Woche vor dem Wahlzeitraum haben wir gemeinsam mit den IG Metall-Vertrauensleuten und mit Unterstützung von den IG Metall-Hauptamtlichen Tobias Salin (zuständiger Gewerkschaftssekretär) und Tabea Dammann (neue Jugendsekretärin) den Wahlkampf geführt. Wir haben im persönlichen Gespräch die Kolleginnen und Kollegen über die Besonderheit der Listenwahl informiert. Die wenigsten hatten sich damit befasst. Die Belegschaft hat ein klares Votum abgegeben, dass sie die Persönlichkeitswahl besser finden. Denn die Persönlichkeitswahl bietet die Möglichkeit, die einzelnen Personen zu wählen und somit „ihren“ Betriebsrat zusammenzustellen.

Mirko: Wir haben mehr als 200 Gespräche geführt und viele Themen aufgegriffen. Es war sehr wichtig, zu informieren, warum es eine Listenwahl gegeben hat. Wir haben niemanden ausgegrenzt, sondern die andere Liste hat sich entschieden, eigenständig anzutreten.

Patrick: Wir haben allen Kandidierenden die Chance gegeben, mit auf unserer Liste zu kandidieren. Durch die Entscheidung für eine eigene Liste, kam es zur Listenwahl.

Jens: Der Listenführer der anderen Liste hat es damit begründet, dass er erst seit kurzer Zeit im Betrieb sei. Dadurch habe er zu wenig eigene Präsenz und nur so eine Chance, in den Betriebsrat gewählt zu werden.

Patrick: Wir haben in den Rundgängen Flyer mit unserem Wahlprogramm verteilt. Jens hat das Amt als Betriebsratsvorsitzender im Juli 2024 übernommen und ich die Stellvertretung. Genau diese Zeit haben wir nochmal beleuchtet: Was haben wir erreicht in dieser Zeit und an welchen Themen arbeiten wir derzeit noch. Wir versuchen als Betriebsratsteam unsere Kolleginnen und Kollegen immer bestmöglich einzubinden.

Wie war eure Wahlbeteiligung?

Patrick: Wir hatten eine Wahlbeteiligung von 71,5 Prozent. Zur letzten Betriebsratswahl waren es nur 63 Prozent. Das ist für uns ein starkes Zeichen, dass der Belegschaft die Mitbestimmung sehr wichtig ist.  

Wurdet ihr von der IG Metall unterstützt? Wie läuft die Zusammenarbeit?

Jens: Mit Tobias Salin haben wir eine sehr gute Unterstützung. Seit er bei uns ist, ist ein anderer Drive drin. Er ist engagiert, hinterher und immer ansprechbar. Das macht in meinen Augen einen guten Betriebsbetreuer aus. Ich finde, es ist eine Top-Zusammenarbeit.

Mirko: Er hat gute Ansätze. Er verknüpft moderne Kommunikationsmittel wie Videos mit altbewährten Mitteln wie dem persönlichen Gespräch. Das ist in meinen Augen das beste Mittel, um einen vertrauensvollen Dialog führen zu können und die Menschen zu erreichen. Es geht um die persönliche Beziehung und Vertrauen. Die persönliche Ebene, das persönliche Gespräch ersetzt nichts. Rundgänge sind zwar zeitintensiv, aber sehr wirkungsvoll.

Welche Themen liegen jetzt als Betriebsratsteam vor euch?

Jens: Wir haben jetzt drei Tage Klausur vor uns. Dort legen wir unser Programm fest und müssen erstmal schauen, wie sich die zukünftige Zusammenarbeit mit den Kollegen der anderen Liste gestalten wird.

Mirko: Wir haben noch die eine oder andere Betriebsvereinbarung fertigzustellen. Gut möglich, dass diese dann erst im neuen Betriebsratsgremium, das ab dem 08. April 2026 im Amt ist, final abgeschlossen wird. Wir wollen das Thema Kommunikation weiter voranbringen. Uns liegt viel daran, dass die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb gut informiert werden und wir auch Rückmeldungen aus der Belegschaft erhalten.

Wie würdet ihr neuen Beschäftigten die Betriebsratsarbeit beschreiben?

Jens: Es ist nicht Kaffeetrinken und Kuchenessen, wie es als Gerücht gelegentlich kursiert. Es gibt enorm viele Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge bei uns am Standort. Wenn neue Beschäftigte anfangen, bieten wir im Erstgespräch beim Betriebsrat an, dass alle mit jedem Thema zu uns kommen können. Klar, fragen wir auch, ob der Kollege schon IG Metall-Mitglied ist und wenn nicht, werben wir aktiv für eine Mitgliedschaft. Seit Herbst 2025 gab es circa 45 Neueinstellungen und derzeit stellen wir weiterhin ein. Wir als freigestellte Betriebsräte können nicht jeden kennen, aber wir versuchen, durch regelmäßige Rundgänge einen intensiven Kontakt zu den Bereichen zu halten. Am Standort gibt es eine gewachsene Mitbestimmungskultur. Manchmal müssen wir den Arbeitgeber daran erinnern, aber meistens klappt das.

Macht euch die Arbeit Spaß? Würdet ihr wieder antreten?  

Jens: Du siehst ja, wir sind wieder angetreten.

Patrick: Die Betriebsratsarbeit macht Spaß. Es ist gut, sich für die Belange aller Beschäftigten am Standort einzusetzen und nicht einfach zuzuschauen, wie andere über einen entscheiden. Es ist viel besser, mitzubestimmen. Für die Kolleginnen und Kollegen ist es wichtig, einen guten, starken und aktiven Betriebsrat hier am Standort zu haben.

Was habt ihr als Betriebsrat erreicht, auf das ihr stolz seid?

Jens: Das wir im Stahlwerk die Belastungspunkte der einzelnen Tätigkeiten anheben konnten, war für die Kollegen sehr wichtig, denn die Arbeit ist schon eine enorme Belastung. Dadurch ändert sich im Stahlwerk gerade die Stimmung und die Kollegen schenken uns wieder mehr Vertrauen. Mit einer geplanten Betriebsvereinbarung zum Springersystem im Stahlwerk erreichen wir künftig mehr Entgelt. Sie soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 gelten, wenn wir ein Ergebnis erzielt haben.

Patrick: Eine der größten Errungenschaften des Betriebsrats in den letzten Jahren ist, dass es den Standort überhaupt noch gibt. Die wirtschaftliche Lage war des Öfteren herausfordernd.

Mirko: Es gibt in der Betriebsratsarbeit auch anstrengende Diskussionen. Es macht eben nicht immer nur Spaß. Wir haben mit dem Arbeitgeber 2021 und vorher über Investitionen diskutiert. Wir wollten nicht mehr nur zusehen, wie alles auf Verschleiß gefahren wird. Der Arbeitgeber hat dann mit einem Investitionsprogramm, für das sehr hohe Mitarbeiterbeiträge gefordert wurden, versucht, uns und die Belegschaft zu erpressen. Wir haben als Betriebsratsgremium trotz mancher internen Diskussionen zusammengehalten und haben uns als Belegschaft nicht spalten lassen. Am Ende stand ein Zukunftstarifvertrag, in dem klar geregelt wurde, in was investiert wird und unter welchen Bedingungen die Beschäftigten ihre eingesetzten Beiträge später zurückgezahlt bekommen.

Bei der letzten Betriebsratswahl haben wir diese Auseinandersetzungen gespürt und sie hat sich im Ergebnis und der Wahlbeteiligung negativ niedergeschlagen. Wenn es heute zu Rückzahlungen kommen würde, hätte sich dieser Prozess doch gelohnt.

Hintergrund:

Die Schmiedewerke Gröditz GmbH mit ihren rund 750 Beschäftigten ist ein führender Hersteller von Freiformschmiedestücken, Werkzeugstahl und nahtlos gewalzten Ringen. Die Produkte werden für verschiedene Branchen weltweit produziert, beispielsweise den Energiemaschinenbau, die Bahntechnik und den Maschinenbau. Der Nachhaltigkeitsfokus zeigt sich in unserem Elektrolichtbogenofen, in welchem recycelter Schrott effizient zu neuem Stahl geschmolzen wird. Die Elektrostahlerzeugung ist ein Verfahren, in dem bereits heute umweltfreundlich in einem geschlossenen Materialkreislauf neue Produkte hergestellt werden.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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