IG Metall Dresden und Riesa
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28.01.2020, 23:01 Uhr

Vertrauensleutewahlen 2020

„Vertrauensleute brauchen Mut, den Weg konsequent zu gehen“

  • 09.01.2020
  • Aktuelles, Branchen / Betriebe

Gewerkschaftsthemen sind Jens Krumbiegel besonders wichtig. Gelegenheit daran zu arbeiten hat der der 35-jährige Systemingenieur reichlich. Er ist Vertrauenskörperleiter bei Diehl Aviation Gilching in Dresden, hat für die Anliegen der Kolleginnen und Kollegen immer ein offenes Ohr und den Mut, auch unbequeme Themen anzugehen. Bei den Vertrauensleutewahlen, die turnusmäßig im ersten Halbjahr 2020 stattfinden, stellt Jens Krumbiegel sich wieder zur Wahl.

Jens Krumbiegel, Vertrauensmann bei Diehl Aviation in Dresden Foto: Gundula Lasch

Warum bist Du als Vertrauensmann aktiv?

2016 habe ich zusammen mit ein paar Kollegen einen Betriebsrat an unserem Unternehmensstandort gegründet. Dort wirkte ich dann unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit und im Wirtschaftsausschuss mit. In diesen Funktionen habe ich einen guten Einblick in die wirtschaftliche Situation und in die Struktur des Unternehmens erhalten. Parallel dazu habe ich aber auch die Wünsche, Befürchtungen und Anliegen meiner Kolleginnen und Kollegen erfahren. Schnell wurde mir klar, dass man auf der Betriebsratsebene allein nicht alles durchsetzen kann, was man gern möchte. Deshalb habe ich mich bei der Betriebsratswahl 2018 nicht wieder zur Wahl gestellt, sondern mich primär um Gewerkschaftsthemen gekümmert. Im Januar 2019 haben wir dann die ersten Vertrauensleute – acht Männer und drei Frauen – gewählt und ich wurde zum Vertrauenskörperleiter bestimmt. Bei den VL-Wahlen 2020 werde ich natürlich wieder antreten.

Gibt es Themen, die in Deinem Betrieb besondere Aufmerksamkeit erfordern?

Das Hauptanliegen in unserem Betrieb ist die Einführung des sächsischen Flächentarifvertrags. Dabei gibt es teils sehr unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Belegschaft. Während die einen die Vorteile – zum Beispiel Standortsicherheit, faire Entlohnung oder verbindliche Regelungen – erkennen, sehen die anderen die damit verbundenen steigenden Kosten und entsprechend ihren Arbeitsplatz in Gefahr. Befeuert wird diese Angst durch Verlagerungspläne des Arbeitgebers und gestoppte Investitionen in eine Standorterweiterung.

Was zeichnet einen guten Vertrauensmann aus Deiner Sicht aus?

Ein Vertrauensmann muss in erster Linie Mut mitbringen. Mut, offen zu zeigen, hinter welcher Sache er steht. Mut, den Weg konsequent zu gehen – mit Höhen und Tiefen. Und wie der Begriff schon sagt: Wir sind Vertrauenspersonen und sollten möglichst für alle ein offenes Ohr haben, sowohl für die Befürworter als auch für die Skeptiker.

Was möchtest Du gemeinsam mit dem Vertrauenskörper in Deinem Betrieb erreichen?

Gewerkschaft soll im Unternehmen zum selbstverständlichen Tagesgespräch gehören. Das Thema darf kein Tabuthema mehr in den ostdeutschen Betrieben sein. Und natürlich: einen Tarifvertrag einführen.

Was macht Dir besonderen Spaß bei Deiner ehrenamtlichen Tätigkeit?

Aktuell bleibt wenig Zeit zur Reflektion. Aber die Treffen mit den anderen Vertrauensleuten und der Austausch mit ihnen waren immer eine große Bereicherung für mich. Aber bei all den gewerkschaftlichen Aktivitäten soll meine Familie nicht zu kurz kommen – bald werde ich zum zweiten Mal Papa.       

Das Interview führte Gundula Lasch.


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