11.03.2026 | Bei den Elbe Flugzeugwerken (EFW) in Dresden stehen am 18. März die Betriebsratswahlen an. Rund 2.000 Beschäftigte wählen ihr neues Gremium. André Twardygrosz – seit 2006 im Betriebsrat, stellvertretender Vorsitzender und Mitglied im Aufsichtsrat – und Marc Hoffmann – seit zwölf Jahren im Gremium und freigestellter Betriebsrat – treten erneut an. Im Doppelinterview sprechen die beiden über Motivation, Erfolge, Wahlkampf und die Herausforderungen eines Standortes, der zwischen globalem Wettbewerb und Zukunftsangst steht.
Warum kandidiert ihr für den Betriebsrat?
André: Ich bin schon seit 2006 Betriebsrat und will, dass jeder bei uns die gleichen Chancen hat. Als Mitglied im Aufsichtsrat und Konzernbetriebsrat liegt mir das Fortgehen dieser Firma sehr am Herzen. Ich will weiter daran mitwirken, dass das Unternehmen vorankommt und es dabei gerecht zugeht.
Marc: Vor zwölf Jahren bin ich ursprünglich über ein Ersatzmandat in den Betriebsrat reingerutscht. Jetzt bin ich seit drei Jahren freigestellter Betriebsrat und auch VK-Leiter bei uns im Betrieb. Ich arbeite sehr gern mit Menschen, und das motiviert mich immer wieder neu. Im Ausschuss für Ausbildung, Weiterbildung und Jugend will ich mich weiter engagieren, da mir gerade das Thema Jugend sehr am Herzen liegt. Denn Ausbildung ist eine Zukunftsinvestition und ein Zeichen dafür, dass eine Firma am Standort festhalten möchte.
Was sind die Themen, die in der Belegschaft aktuell besonders diskutiert werden?
André: Ein großes Thema ist gerade die Verschiebung der 35-Stunden-Woche. Dabei geht es nicht nur um die Verschiebung wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage, sondern auch um die Standortkonkurrenz. Wir werden als Unternehmen in Sachen Flexibilität und Effizienz z.B. mit Töchterfirmen in China oder Singapur verglichen.
Marc: Es gibt gerade eine gewisse Zukunftsangst und Viele bei uns wünschen sich Sicherheit. Dafür setzen wir uns als Betriebsrat und als IG-Metaller ein. Und ich hoffe, dass es bei der Wahl darum geht, dass die Leute die gute Arbeit des Betriebsrats wahrgenommen haben, die wir als Gremium geleistet haben, und uns als sicheren Anker sehen.
Welche Erfolge nehmt ihr aus der vergangenen Amtszeit mit?
André: Durchaus viele. Ein Haupterfolg ist sicherlich, dass wir mit unserem Arbeitgeber eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe pflegen. Es gab Jahre, da haben wir wirklich eher auf Konfrontation gelebt. Heute agieren wir jeweils professionell im Interesse der Belegschaft. Zeichen dafür sind die verschiedenen Betriebsvereinbarungen, die wir jetzt haben: etwa Care for Life, dass eine Auszeit in Form eines Negativkontos ermöglicht. Das ist gut für den einzelnen Mitarbeiter und hat gleichzeitig den Charakter einer Beschäftigungssicherung, weil das Unternehmen damit in den Erhalt von Fachkräften investiert.
Dann haben wir eine Betriebsvereinbarung zur Vermeidung sozialer Folgen, damit die Leute bei Umorganisationen ihr Entgelt behalten. Außerdem Regelungen zu Job-Bikes, Jobticket sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – da sind wir gut aufgestellt.
Wie gestaltet ihr euren BR-Wahlkampf?
Marc: Wir haben bereits seit Langem die Öffentlichkeitsarbeit deutlich gestärkt. Wir bringen regelmäßig unsere Betriebsratszeitung Luftpost heraus – und mit dem neuen Intranet wird das Ganze noch aktueller und digitaler. Auch in der VK-Arbeit sind wir deutlich präsenter geworden und viel öfter in der Belegschaft unterwegs.
Für die Wahl haben wir eine sehr präsente Plakatkampagne entwickelt, komplett in Eigenarbeit, unterstützt durch die Geschäftsstelle in Dresden. Wir haben viele neue Kandidatinnen und Kandidaten gewonnen – 51 stehen diesmal auf der Liste, davon 7 Kandidat*inne. Und unser Ziel ist klar: Wir wollen die Wahlbeteiligung deutlich anheben!
Das Interview führte Moritz Riesinger.
Hintergrund: Elbe Flugzeugwerke (EFW)
Die Elbe Flugzeugwerke GmbH mit Sitz in Dresden gehören zu den zentralen Luftfahrtunternehmen in Sachsen und sind Teil eines globalen Unternehmensverbunds im Airbus-Umfeld. Die Firma mit etwa 2.000 Beschäftigten am Standort ist spezialisiert auf die Umrüstung von Flugzeugen zu Frachtern sowie auf Leichtbau- und Composite-Bauteile für die internationale Luftfahrtindustrie.